Articles: St. Thomas - I'm Coming Home
(Cabinet Nightflight, Das Musikmagazin - Dec. 2001 / Jan. 2002 edition)

file under rock

St. Thomas
i´m coming home
city slang/labels/virgin

Besucher der letzten Tour der norwegischen Überflieger Madrugada werden erstaunt gewesen sein, was sich in deren Vorprogramm auf der Bühne abspielte. Dort ging es nämlich zu wie auf einem Volksfest im letzen Stadium, sprangen hier doch fünf Musiker (obwohl dieser Ausdruck an dieser Stelle wohl etwas hochgestochen wirkt) relativ planlos herum, was aber keine Auswirkungen auf die beeindruckende Musik hatte, die hier geboten wurde. Recherchen ergaben, daß auch diese Band überhaupt nicht norwegisch klang (ohne jedoch an dieser Stelle die Diskussion zu entfachen, was denn nun genau norwegisch klingt). Eher erinnerte die hier inszenierte Performance an einen folkigen Neil Young, an Gram Parsons und vielleicht entfernt auch an Calexico. Der musikalische Kopf von St. Thomas ist Sänger und Gitarrist Thomas Hansen, der tagsüber als Postbote in Oslo unterwegs ist und abends wundervolle Songs schreibt. Und diese kommen nun in gebündelter Form auf dem Debüt-Album "I´m Coming Home". "I´ve never seen a cowboy before" singt Thomas Hansen im Opener "The Cool Song" mit einer an Neil Young erinnernden Stimme und hier wird man einmal mehr mit dem Umstand konfrontiert, daß der Verfasser dieser Zeilen eben nicht aus Amerika kommen kann. Trotzdem können die hier enthaltenen Songs, allen voran "Goodbye Emily Lang", besagter "The Cool Song", "Strangers Out Of Blue" oder "Cornerman" das Potential von einigen Kollegen der amerikanischen Singer-/Songwriterzunft in den Schatten stellen. Ein Track wie "Bookstore" beweist in seiner Undiszipliniertheit, daß man hier mit Spaß bei der Sache war. So wird einem am Beispiel von St. Thomas wieder einmal vor Augen gehalten, daß mit weiteren Überraschungen aus Skandinavien, hier speziell Norwegen, weiterhin zu rechnen ist.

MANFRED WALD.



Back to articles or to main page.